Donnerstag, 20. August 2015

Kolektomie punktet bei schwerer Colitis ulcerosa

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Darmerkrankung

Kolektomie punktet bei schwerer Colitis ulcerosa

Bei fortgeschrittener Colitis ulcerosa scheint eine elektive Kolektomie im Vergleich zur Immunsuppression langfristig die bessere Lösung zu sein: Die Patienten leben damit deutlich länger.
PHILADELPHIA. Viele Patienten mit Colitis ulcerosa sprechen auf die bisherigen medikamentösen Therapien nicht ausreichend an und müssen in Schüben immer wieder mit Kortikoiden behandelt werden. Im fortgeschrittenen Stadium stehen sie dann oft vor der Entscheidung, den Dickdarm zu entfernen oder eine langfristige Therapie mit Kortikoiden und Immunsuppressiva zu versuchen.
Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile: Die Kortikoidbehandlung geht mit einem erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko einher, die Therapie mit Immunsuppressiva erhöht zudem das Infektions- und Krebsrisiko, berichten Gastroenterologen um Dr. Meenakshi Bewtra von der Uni in Philadelphia (Ann Intern Med 2015, online 14. Juli).
Auch besteht die Gefahr, dass der Dickdarm aufgrund von Stenosen und schweren Entzündungen dann doch irgendwann in einer Notoperation entfernt werden muss, und eine solche Situation ist nicht selten lebensbedrohlich. Entscheiden sich die Patienten jedoch für eine Kolektomie, ist ein deutlicher Verlust an Lebensqualität zu befürchten.

Welche Methode bringt mehr Lebenszeit?

Die Ärzte um Bewtra haben nun anhand von Daten der staatlichen US-Versicherer Medicare und Medicaid geschaut, welche Therapieoption mit Blick auf die Lebenszeit die beste ist. Da es bislang keine aussagekräftigen randomisierten Studien zu dem Thema gibt, haben sie eine andere Methode - ein quasi-randomisiertes Verfahren - angewandt.
Sie erkundigten sich nach dem Schicksal von 830 Patienten mit elektiver Kolektomie und dem von über 7500 Patienten mit pharmakologischer Therapie, die bei der Schwere der Erkrankung, Alter, Vortherapie und sozialem Status vergleichbar waren. In beiden Gruppen schauten sie, wann bei den Patienten eine vorangeschrittene Colitis ulcerosa diagnostiziert worden war.
Im Schnitt dauerte es dann noch knapp ein Jahr bis zur Op. Die Forscher prüften nun, wie lange die Patienten nach der Op noch lebten. Um einen Vergleich zu ermöglichen, begann die Nachbeobachtungszeit in der Kontrollgruppe ebenfalls etwa ein Jahr nach der Diagnose einer fortgeschrittenen Kolitis.
Das Ergebnis: Jährlich starben 3,4 Prozent der Patienten mit elektiver Kolektomie und 5,4 Prozent der Patienten mit medikamentöser Therapie. Wurden die genannten Begleitfaktoren berücksichtigt, war die Sterberate mit Kolektomie ein Drittel geringer als mit medikamentöser Behandlung.

Ältere profitieren von Op

Vor allem Patienten über 50 Jahre scheinen nach den Resultaten der Analyse von der Op zu profitieren: Bei ihnen war die jährliche Sterberate um 40 Prozent reduziert. Dagegen gab es bei jüngeren Patienten keine signifikanten Unterschiede, allerdings traten hier sehr wenige Todesfälle auf, sodass diese Daten nur schwer zu interpretieren sind.
Die Ärzte um Bewtra schließen aus der Analyse, dass Ärzte bei Patienten mit fortgeschrittener Colitis ulcerosa, die immer wieder Schübe erleiden oder keine Remission erzielen, auch eine Kolektomie erörtern sollten. Diese werden den Patienten viel zu selten angeboten.
 Untersuchungen hätten gezeigt, dass Kolitis-Patienten durchaus bereit seien, auf ihren Dickdarm zu verzichten, wenn sie dadurch schwere Komplikationen und lebensbedrohliche Situationen vermeiden könnten. Einige Studien hätten sogar Hinweise auf eine bessere Lebensqualität nach einer Operation ergeben.
Da es sich hier nur um eine quasi-randomisierte Analyse und keine prospektive Interventionsstudie handelt, sind die Ergebnisse jedoch mit Vorsicht zu genießen. Trotz Berücksichtigung der Vormedikation und Krankheitsschwere lässt sich nicht ausschließen, dass vielleicht vor allem die fitteren Patienten mit einer ohnehin günstigeren Prognose operiert wurden.

Quelle / Volltext   aerztezeitung

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