Mittwoch, 4. November 2015

News: Darmkrebs ist nicht gleich Darmkrebs

Darmkrebs ist nicht gleich Darmkrebs


darmkrebs nicht gleich darmkrebs
© ag visuell - Fotolia
Bei vielen Patienten unter 50 Jahren unterscheiden sich die Tumorzellen im Darm offenbar von denen älterer Erkrankter. Das könnte ein Grund sein, warum der Krebs gerade bei jungen Menschen besonders aggressiv ist. Und möglicherweise ganz anders behandelt werden muss.
Eigentlich gibt es in Zellen klare Signalwege, die dafür sorgen, dass sie sich nicht unkontrolliert vermehren. Manchmal kommt es aber zu einer genetischen Veränderung, einer sogenannten Mutation. Auf diese Weise können Krebszellen halten sich nicht mehr an die Regeln des normalen Zelllebens. Sie wachsen ohne Rücksicht auf Verluste und zerstören so auch das umliegende, gesunde Gewebe. Im Falle von Darmkrebs wüten die Krebszellen besonders aggressiv bei jungen Patienten – und streuen auch schneller in andere Organe.

Wachstums-Kontrolle

Nach genau solchen Prozessen, die das Zellwachstum kontrollieren, haben Todd Pitts und sein Team vom University of Colorado Cancer Center gesucht. Gefunden haben sie sie in der „Gebrauchsanweisung“, die die Zellen für die Signalwege besitzen, auch als Gene bekannt. Dort gibt es deutliche Unterschiede bei Darmkrebszellen von älteren und jungen Patienten.
Diese Gene verglichen die Forscher anhand von Darmkrebszellen bei fünf jungen Patienten (im Schnitt 31 Jahre alt) und sechs älterer Patienten (im Mittel 73 Jahre alt). Und tatsächlich fanden die Forscher in den beiden Patientengruppen jeweils andere genetischen Informationen für zwei wichtigen Kontrollwege: PPAR und IGF1R. Beide sind an der Regulation von Zellwachstum, Zellentwicklung und auch Zellstoffwechsel beteiligt. Außerdem besaßen die Krebszellen der jüngeren Patienten auch mehr Blaupausen um Giftstoffe loszuwerden.

Chemotherapie ohne Wirkung

„Möglicherweise können diese Zellen Chemotherapeutika schneller abbauen als Darmkrebszellen bei älteren Menschen“, so Pitts. Dies würde erklären, warum die Chemotherapie bei jungen Patienten mit Darmkrebs oft schlechter anschlägt. Gleichzeitig biete sich damit ein Weg, neue Behandlungsstrategien zu entwickeln: „Die beiden Signalwege PPAR und IGF1R könnten Ansatzpunkte für neue Medikamente sein“, sagt der Experte.
Da ihre Studie nur auf den Daten von fünf jungen und sechs älteren Patienten beruht, möchten die Wissenschaftler im nächsten Schritt überprüfen, ob sie bei einer größeren Gruppe die gleichen genetischen Unterschiede zwischen den Tumorzellen finden.

Darmkrebsvorsorge ab dem 50ten Lebensjahr

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten. Dabei entsteht ein bösartiger Tumor meist im Dick- oder Mastdarm. Er bildet sich überwiegend aus Polypen, die zu bösartigem Tumorgewebe entarten. Der Darmkrebs entwickelt sich normalerweise sehr langsam und wird meist aufgrund fehlender Symptome erst im Spätstadium bemerkt. Allerdings hängen der Krankheitsverlauf und die Prognose entscheidend davon ab, in welchem Erkrankungsstadium Darmkrebs entdeckt wird. Darum werden ab 50. Jahren regelmäßige Darmspiegelungen empfohlen. Immerhin 10 Prozent der Patienten erkranken vor dem 55. Lebensjahr. (ab)
Quelle: Pitts Todd et al.: Emerging transcriptional landscape and putative therapeutic strategies in young patients with metastatic colorectal cancer (CRC), 2015 ASCO Annual Meeting, J Clin Oncol 33, 2015 (suppl; abstr e14627).

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